Engagiert, erfolgreich und glaubwürdig

Wirtschaftspsychologin Dorothea Böhm verdankt ihrer Schule ein breites Lebensfundament

Auf dem Maria-Ward-Gymnasium habe ich viel gelernt, vor allem das eigenständige Denken.“ Wenn Dorothea Böhm über ihre frühere Schule spricht, dann sprudelt es nur so aus ihr heraus. Die 56-Jährige war von 1969 bis 1978 Schülerin des Maria-Ward-Gymnasiums in München-Nymphenburg, das heute in Trägerschaft der Erzdiözese ist. Damals wurden die Mädchen auch noch von Ordensfrauen unterrichtet, zum Beispiel von der heute 86-jährigen Schwester Lucina Moche. „Sie hatte einen tolerant-liberalen Blick auf die Dinge. Außerdem war sie immer fröhlich“, attestiert ihr Böhm. Auch an die mittlerweile 84-jährige Schwester Meinrada Reidel denkt sie gerne zurück, die von der 5. bis zur 9. Jahrgangsstufe ihre Klassleiterin war: „Sie hat uns das Meditieren beigebracht, weil sie wollte, dass wir ein Fundament an eigener spiritueller Erfahrung bekommen. Das war damals etwas ganz Außergewöhnliches.“

Dorothea Böhm wurde im Alter von einem Jahr vom früheren Chefarzt am Krankenhaus des Dritten Ordens, Professor Paul Böhm, und seiner Frau adoptiert. Ihre Onkel sind der Architekt Gottfried Böhm und der jüngst verstorbene Bildhauer Elmar Hillebrand (siehe Seite 25). Großvater Dominikus Böhm war ein renommierter Kirchenbauer. In dieser katholischen Künstler- und Akademikerfamilie wurde Dorothea Böhms Wertegerüst geprägt. „An meiner früheren Schule wurde es verstärkt und erweitert“, betont die Diplom-Psychologin. Seit 1984 arbeitet sie selbstständig für Unternehmen und Einzelkunden. „Mein Spezialgebiet sind Eignungsdiagnostik, Potenzialanalysen und Coaching zur Berufsfindung. Ich kann zum Beispiel sehr genau vorhersagen, ob jemand für eine Stelle geeignet ist oder nicht“, beschreibt sie ihr Tätigkeitsfeld. Der Beruf führte sie auch ins Ausland, weshalb sie nicht nur Deutsch und Englisch spricht, sondern auch Französisch, Italienisch und sogar etwas Arabisch. Von 1984 bis 1996 lebte sie in Paris, bevor sie wieder nach München-Obermenzing zurückkehrte, in die Nachbarschaft der Eltern.

 

 

Dorothea Böhm coacht besonders gerne junge Leute, die noch nicht genau wissen, wohin sie sich später beruflich orientieren sollen. Dazu stellt sie sich auch als Dozentin zur Verfügung, etwa bei Berufsinformationstagen. „Ich habe unheimlich viel in meinem Leben geschenkt bekommen und möchte davon etwas zurückgeben“, beschreibt sie ihre Motivation. Die Mutter zweier erwachsener Kinder investiert deshalb viel Zeit in ihre Ehrenämter. So gehört sie beispielsweise dem Verein der Freunde und Förderer des Museums „Mensch und Natur“ in Nymphenburg an, dessen Vorsitzende sie seit 2012 ist. Auch im Vorstand des „Bundes katholischer Unternehmer“ ist sie Mitglied. Besonders wichtig ist ihr das Engagement für „Zonta International“, einem Verein zur Förderung der Interessen von Frauen. Der Zonta Club München II, dessen Präsidentin sie bis 2012 war, vergibt jedes Jahr einen Preis an junge Frauen, die sich ehrenamtlich engagieren. „Ich fand es toll, dass letztes Jahr mit Clara Multerer eine Maria-Ward-Schülerin zu den Preisträgerinnen gehörte“, freut sich Böhm.

 

Rede und Antwort stehen

Der Glaube hat einen wichtigen Platz in Dorothea Böhms Leben. „Religion ist kein Hobby“, betont sie. „Als Christen müssen wir uns – gerade im Dialog mit Nichtchristen – zu unseren Werten bekennen, damit wir ernst genommen werden.“ Dazu gehört ihrer Auffassung nach sowohl das Rede-und-Antwort-Stehen in Glaubensfragen als auch das tatkräftige eigene Engagement. Eigene negative Erfahrungen mit Rassismus im Verlauf ihres bisherigen Lebens, die sie vereinzelt in München und zuletzt häufiger im Osten machen musste, haben sie in ihrer Grundüberzeugung noch stärker werden lassen. Bei dieser selbstbewussten, erfolgreichen und zugleich warmherzigen Frau mit dem großen Wissenshintergrund haben die Eltern und ihre früheren Lehrkräfte an der kirchlichen Schule offenbar viel richtig gemacht.

 

Gabriele Riffert

Dorothea Böhm Foto: Riffert