Jugendliche müssen sich auf Branchenwechsel einstellen

von Rüdiger Stettinski

Wozu eigentlich in die Schule gehen? Was nutzen mir gute Noten, ein ordentliches Zwischenzeugnis oder ein Abschluß? Immer mehr 14– bis 18jährige bringen so oder ähnlich ihren Frust und ihre mangelnde Motivation zum Ausdruck. Was sie meist übersehen: Die Zukunft bietet auch eine Menge neuer Möglichkeiten, die genutzt werden wollen. "Noch nie gab es so viele Berufsbilder und soviel Chancen für einen Start", sagt Diplom–Psychologin Dorothea Böhm. Die Unternehmensberaterin aus München coacht Jugendliche: "Neue Medien und neue Info–Kanäle, neue Technologien und die Globalität der Märkte liefern unendlich viele Zugänge.

"Um Fuß zu fassen, ist jedoch Umdenken angesagt. "Jugendliche sollten sich heutzutage von vornherein darauf einstellen, daß sie zwischen Branchen und Ressorts wechseln und lokal mobil sein müssen", so Böhm. "Neben den fachlichen Kenntnissen und Zusatzqualifikationen sind vor allem Eigeninitiative, Einsatzfreude, soziale Kompetenz, Offenheit und Organisationsvermögen wichtig".

Voraussetzung dafür ist, auf sich selbst zu vertrauen, seine Stärken zu kennen und richtig zur Geltung zu bringen, aber auch, sich über seine eigenen Schwächen und Grenzen bewußt zu sein. Wichtig ist deshalb, daß die jungen Leute eigene Vorstellungen von Beruf und Lebensplanung entwickeln. Dabei können Beratungsstellen wie das BIZ im Arbeitsamt, Praktika, Ferienjobs, eine "Schnupperlehre" oder von Firmen initiierte berufsbezogene Jugendprojekte behilflich sein.

Eine neue Art, den Schülern Orientierung zu geben, ist das sogenannte Junior Career Coaching von Dorothea Böhm (Tel. 811 02 39). Am Anfang steht bei ihr ein ausführlicher Test, in dem Eigenschaften wie Allgemeinbildung, Intelligenzpotential, Streß–Stabilität, Flexibilität und Leistungsmotivation erhoben werden. Anhand der Testergebnisse erstellt die Psychologin ein Leistungsprofil. Dann folgt ein intensives, kritisches Gespräch, bei dem auch Werte, Wünsche, Interessen sowie Probleme in der Schule und im Alltagsleben diskutiert werden. "Ich rücke Über– und Unterschätzungen zurecht, zeige auf, ob gesteckte Ziele auch zur Persönlichkeit passen und gebe Denkanstöße – keine Patentrezepte", so Böhm. "Schließlich muß eine eigenständige Entscheidung getroffen werden. Nur dann reichen Motivation und Energie zum Durchhalten. An die Stelle von Selbstzweifeln soll das Vertrauen der Jugendlichen in ihre eigenen Fähigkeiten treten." Einziger Nachteil der ausgefeilten Form der Selbsterfahrung: Sie kostet eine vierstellige Summe!