Schweizer Tips für unentschlossene Deutsche

von Nina Baumann

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„Wo kein Markt ist, hilft auch kein Marketing“

[Der] Referatsleiter Fachpolitik beim Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen, bezweifelt, daß es genügend ratsuchende Jugendliche mit zahlungskräftigen Eltern gibt: „Wo kein Markt ist, hilft auch kein Marketing“, antwortet er auf die Frage, ob Psychologen ihre Kompetenzen in diesem Bereich stärker anpreisen sollten. Von genau diesem Markt lebt Dorothea Böhm. Die Münchner Psychologin hat sich mit ihrem „Junior Career Center“ auf junge Menschen und ihre Berufsfindung spezialisiert. Zwar berät sie weiterhin auch Manager, doch will sie damit vor allem den Anschluß an die Wirtschaft behalten. „Ich könnte ganz und gar von der Berufsberatung leben“, sagt sie. Für einen Tag kommen Jugendliche zu ihr. An diesem Tag erstellt sie zunächst mit Tests ein Profil über die Stärken und Schwächen, das dem Ratsuchenden Klarheit über sich selbst bringen soll. Beim ausführlichen Gespräch können je nach Wunsch die Eltern dabeisein, in jedem Fall gibt es Ratschläge, welcher Ausbildungsweg der richtige sein könnte. Rund 1000 Euro sind dafür zu bezahlen.

Ein allgemeines „Oh Gott“

Die sitzen nicht bei jedem locker, doch vielen scheint es das wert zu sein. „Ich habe Klienten aus ganz Deutschland, und es kommen alle, vom Hauptschüler, der abgebrochen hat, bis zum bayerischen Einser-Abiturienten“, sagt Böhm. Der Gedanke für die Arbeit mit Schulabgängern sei ihr durch die Manager gekommen, berichtet sie: „Irgendwann habe ich mir gedacht: Warum soll ich die Jugendlichen erst als Manager beraten? Ich hatte viele Klienten, bei denen eine frühere Beratung viel Frust erspart hätte.“ Was Böhm als ihre Stärke sieht, ist die Kombination von Wirtschaft und Psychologie. Die Arbeit der Berufsberater in der Bundesagentur will die Psychologin nicht schlechtmachen, jedoch sei diese vor allem auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet und vor allem dann hilfreich, wenn der Jugendliche schon einen konkreten Berufswunsch habe. Die Unentschlossenen, die nach einem Besuch in der Arbeitsagentur zu ihr kämen, hätten dort keine individuelle Hilfe gefunden und brächten als Erfahrung meist „ein allgemeines ,Oh Gott'“ mit.

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